„Apokalypsen“

Absurdes Theater am Gymnasium Blankenese

 „Die einzige wirkliche Freiheit, die wir haben, ist das Lachen.“ (Ionesco)

Am 15. Juni hat am Gymnasium Blankenese die Theatercollage „Apocalypsen“ Premiere, aufgeführt von den Schülern des Profils Kunst und Ästhetik.

Das in vielerlei Hinsicht „fantastische“ Stück besteht aus Fragmenten und Einzelszenen, die in der Tradition des absurden Theaters eine Welt zeigen, die aus den Fugen geraten ist.

Entstanden ist ein Stück über die Nichtigkeit des Alltags, die Monotonie des Ehelebens, über gestörte Kommunikation und die Sinnlosigkeit menschlicher Existenz. Die Motive, die unter anderem von Eugène Ionesco, Boris Vian und Samuel Beckett stammen, wurden von den Schülern frei gestaltet, interpretiert und montiert.

Nach anfänglichem Befremden angesichts der sperrigen Vorlagen entwickelten die 17- und 18-Jährigen bei der Text- und Regiearbeit schnell Spaß an den großen kreativen Freiräumen und entdeckten Bezugspunkte zu eigenen Erfahrungen und Empfindungen: „Am Anfang der Proben mussten sich erst einmal alle Darsteller von jeder Logik distanzieren, ohne dabei die Orientierung und den Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren. Der Stoff erschien auf den ersten Blick so weit von unserem Leben entfernt, ist uns aber eben doch sehr bekannt und nahe. Immer enger werdende Lebensräume, wie sie in einem Teil des Stückes gezeigt werden, kennen auch wir nur allzu gut. Auch fehllaufende Kommunikation und ständiges Aneinander-Vorbei-Reden ist uns persönlich sehr bekannt“, erzählt die Kursteilnehmerin Lilian Bernstein.

Hinter Sprachhülsen und -fetzen machen die Schüler Ängste und Aggressionen sichtbar. Es treten Leute auf, die – wie Ionesco es formulierte – „ernst dasitzen und unsinniges Zeug reden, wie man es immer tut. Und plötzlich geraten die Wörter aus den Fugen, sie verrenken sich. Es geht um eine Verrenkung der Sprache, eine Verrenkung der Welt.“

Wer nun aber meint,  einen beklemmenden Theaterabend vor sich zu haben, der irrt.

Der Verzicht auf Logik führt zu völlig grotesken und damit auch unglaublich komischen und unterhaltsamen Szenen. Auch musikalische Einlagen fehlen nicht.

Am Ende des Abends dürfte die Wirklichkeit letztlich nur als eine von vielen Möglichkeiten erscheinen, die Dinge zu sehen. Und wer beschwingt hinausgeht, kann es anschließend auch wieder mit Woody Allen halten: „Ich hasse die Wirklichkeit, aber immerhin ist es der einzige Ort, an dem man ein gutes Steak essen kann!“

Aufführungen: 15. und 18. Juni um 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums Blankenese, Oesterleystraße 27. Der Eintritt ist frei.