“dialogP” – Politiker stellen sich den Fragen unserer Schüler

Philine Sturzenbecher (SPD), Filiz Demirel (Grüne), Anke Frieling (CDU), Stephan Jersch (Die Linke) und zwei Lehrer stellten sich den Fragen unserer Neuntklässler. Ziel: Verbesserungsvorschläge für die Stadt zu beleuchten, zu Unterrichtsinhalten Debatten zu führen und die Moderation einzuüben.

 

Einleitende Worte zum Bericht:

Im PGW-Unterricht der 9. Klassen beschäftigen wir uns zu Beginn vorwiegend mit politischen Themen und Prozessen im Bezirk und in der Stadt Hamburg. Die Klassen 9a, 9c und 9d haben sich intensiv mit der Wahl zu unserem Landesparlament, der Hamburger Bürgerschaft, auseinandergesetzt und beleuchtet, welche Aufgaben die Abgeordneten darin wöchentlich wahrnehmen. Um das Thema bzw. „die Politik“ noch anschaulicher zu gestalten haben sich die beiden PGW-Lehrerinnen der Klassen, Kerstin Böttger und Jenny Viehoff, dafür entschieden, an dem Format „dialogP“ teilzunehmen. Dafür haben wir uns Bürgerschaftsabgeordnete in die Schule geholt, um den Schülerinnen und Schülern Dis

kussionen mit ihnen zu ermöglichen. Das eigens geschulte Presseteam hat darüber einen Bericht verfasst und mit zwei Abgeordneten Interviews geführt.

 

Kerstin Böttger
Fachleitung PGW

 

Und hier der Bericht:

Das Gymnasium Blankenese lud am Donnerstag, dem 18. Januar, Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete in die Aula zu einer Diskussionsveranstaltung ein. An von Schülern dreier 9. Klassen vorbereiteten Thementischen stellten sich hier von 12 bis 14 Uhr Philine Sturzenbecher (SPD), Filiz Demirel (Grüne), Anke Frieling (CDU), Stephan Jersch (Die Linke) und zwei Lehrer des Gymnasiums abwechselnd den Fragen der Schüler zu hamburgspezifischen Themen mit dem Ziel, Verbesserungsvorschläge für die Stadt zu beleuchten, zu Unterrichtsinhalten Debatten zu führen und als Moderator oder Presse zu begleiten, also praktisch zu üben.

Vor der Veranstaltung hatte das aus zwei Schülern gebildete Presseteam Gelegenheit, die sich am Eingang der Aula versammelnden Politiker über ihre Erwartungen zum Event zu befragen. „Alle Themen, die mir vorab zugeschickt wurden, sind interessant, und ich freue mich schon sehr auf die Diskussionen mit den Schülern“, sagte die Grünen-Politikerin Filiz Demirel. Die Abgeordneten wurden dann nach einer kurzen Vorstellungsrunde des Moderationsteams auf die Bühne der Aula gerufen, um sich dem Publikum vorzustellen. Dann verteilten sich die Bürgerschaftsabgeordneten an die sechs Diskussionstische und wurden dort jeweils von einer Gruppe aus sechs bis zwölf Schülern empfangen, mit denen sie die auf den Tischen aufgestellten Fragen diskutieren sollten. Bevor die eigentlichen Debatten losgehen sollten, loggte sich jeder Tisch über ein Schüler-iPad auf die Lernplattform Kahoot ein, um ein Frage-Antwort-Quiz über Hamburg zu spielen, das der cumulus e. V. als Organisator der „“-genannten Veranstaltung vorbereitet hatte. Es brachte sowohl den Politikern als auch den Schülern sichtlich Spaß, ihr Wissen über Hamburg zu testen – die Stimmung lockerte sich auf.

Um 12:40 Uhr fingen dann angeleitet vom Moderationsteam die Diskussionen an den Thementischen an. In 10-Minuten-Einheiten diskutierten die Politiker so abwechselnd an den Tischen die von den Schülern durch Abstimmung festgelegten Fragen: „Soll es mehr Fußgängerzonen mit Radwegen in Hamburgs Innenstadt geben?“, „Sollen die Hamburger Gymnasien zu einer Schulzeit von 9 Jahren (G9) zurückkehren?“, „Sollen mehr öffentliche Toiletten inklusive kostenloser Trinkbrunnen in Hamburg bereitgestellt werden?“, „Soll Hamburg sich gemeinsam mit anderen Städten für eine Austragung der Olympischen Spiele bewerben?“, „Soll der öffentliche Nahverkehr für Hamburger Bürger unter 16 Jahren kostenlos sein?“, „Sollen Sportstätten in Hamburg stärker finanziell gefördert werden?“. Ein Glockenläuten des Moderationsteams zeigte den Abgeordneten an, im Uhrzeigersinn den Tisch zu wechseln. Eine konzentrierte, entspannten Atmosphäre wich an einigen Tischen mit der Zeit einem lauter werdenden, durchaus auch emotional aufgeladenem Klima. Das Journalistenteam begleitete die Diskussionen und stellte anschließend den Politikern noch Fragen, um herauszubekommen, welchen Einfluss die Diskussionen auf die Handlungsbereitschaft der Politiker haben könnten. „Was sich herausgestellt hat, ist, dass wir noch mehr für den Sport tun müssen“, sagte Philine Sturzenbecher.

Die Politiker erkannten auch großen Handlungsbedarf zum Thema „Öffentliche Toiletten“. Hier sagte Sturzenbecher zum Beispiel: „Da müssen wir noch schauen, wie wir das besser machen können und nicht immer nur sagen, wer soll das bezahlen, sondern einfach mal machen.“ Aber nicht nur zur Frage der öffentlichen Toiletten, sondern auch bezüglich Lösungen für fußgängerfreundliche Innenstadtbereiche oder einer größeren finanziellen Förderung von Sportstätten äußerten sich viele Politiker positiv. Grünen-Poltiker Demirel räumte ein: „Bei den Finanzierungsfragen sehe ich zwischen den hier anwesenden Abgeordneten die größte Uneinigkeit, denn wir als Regierungsfraktion SPD-Grüne können nicht zu allen Finanzierungsfragen Ja sagen, weil wir nicht Mittel ohne Ende haben – dass wir da genau schauen müssen, das unterscheidet uns von den anwesenden Oppositionsparteien.“

Zur Frage, ob G8-Gymnasien wieder zurück zu 9 Jahren Schulzeit wechseln sollen, lernten die Schüler noch besser die Argumente der Politiker für G8 und die Beibehaltung der beiden unterschiedlich langen Schullaufzeiten kennen. Hier machten die Abgeordneten zum Beispiel auf den bekannten Lehrermangel in Deutschland aufmerksam und dass es bei einer Rückkehr zu G9 an vielen Schulen sowohl an Lehrern als auch an Räumen mangeln würde. Schüler, die sich gerade mehr Zeit zum Lernen fürs Abitur wünschten, zeigten sich zum Teil enttäuscht. Carla Houengaard aus der 9c sagte: „Bei G9 gibt es Zeit zur Vertiefung und Erholung und keine Überforderung.“ Philine Sturzenbecher verwies hier auf das weiterhin bestehende Konzept der Stadtteilschule, bei dem Schüler 9 Jahre Zeit für das Abitur hätten. Grünen-Politiker Filiz Demirel sagte: „Bei dem Thema G9 versus G8 sehe ich auch den größten Handlungsbedarf von allen Themen hier – es ist das Thema, das die Schüler am meisten bewegt gerade.“

Die Schüler, die sich auf die Diskussionsrunden intensiv zu Hause mit Interviews in Familie und Freundeskreis, Internetrecherchen und mit Infomaterial vorbereitet hatten, zeigten sich mit den Ergebnissen genauso zufrieden wie die Abgeordneten. Joris Hesse, der selbst viel Sport macht und sich eine bessere Verfügbarkeit und Ausstattung von Sporthallen wünscht, sagte abschließend : „Ich habe mir das Thema Sportstättenförderung ausgesucht – ich würde jederzeit bei einer Diskussionsveranstaltung wieder mitmachen und hoffe, dass sich hier etwas verbessert.“ „Verschiedene Themen sind aufgekommen, von denen wir angenommen haben, das haben wir ja alles schon geregelt“, sagte Sturzenbecher, „Tatsächlich haben die Schüler dann uns aber gesagt, dass in diesen Fällen oder konkret hier vor Ort etwas nicht gut ist – das ist für uns ein Anstoß, um zu sehen, wo wir besser werden müssen.“ Demirel ergänzte: „Ich nehme viele Themen mit, Punkte, die nicht aus meinem Ressort sind, werde ich weitergeben, an Kollegen, und auch inhaltlich, was die Schüler bewegt, das werde ich mitnehmen in die Fraktion.“

Das Journalistenteam, das zwischen und nach den einzelnen Diskussionsrunden Interviews mit den Beteiligten führte, machte sich Notizen für einen Bericht auf der Homepage und im Jahrbuch der Schule. Das Moderationsteam forderte abschließend einzelne Schüler an den Tischen auf, die stärksten Pro- und Contra-Argumente noch einmal zusammenzufassen und verabschiedete dann die Abgeordneten und Schüler.

 

Ein Veranstaltungsbericht von
Marlene von Bechtolsheim und
Lucia Quast (Presseteam/Klasse 9a)